| Land | Kroatien |
| Jahr | 2020 |
| Betroffene Gruppe/Minderheit | serbische Minderheit |
| Täter | Bad Blue Boys, eine Fußballfanorganisation |
| Fallart | Hassrede |
| Art der Handlung | Schriftlicher Angriff |
| Medien | Online-Plattformen und/oder Kommunikationskanäle |
| Reaktionen | Die Öffentlichkeit und Politiker verurteilten die Veranstaltung. Die Polizei nahm mehrere Täter fest. |
Kurzbeschreibung:
Im Juni 2020 zeigte eine Gruppe von 15 jungen Männern – Mitglieder der Fußballfangruppe „Bad Blue Boys“ – öffentlich neben einer Botschaft, die mit sexueller Gewalt gegen serbische Frauen und Kinder drohte, ein Plakat mit Symbolen des Unabhängigen Staates Kroatien, eines faschistischen Marionettenstaates aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit brennenden Fackeln, HOS*- und Ustascha-Flaggen sangen sie das Lied „Tötet, tötet die Serben“ (seit 30 Jahren ein beliebtes Lied unter Fußballfans) und hielten ein Banner mit der Aufschrift „Wir werden serbische Frauen und Kinder ficken“ hoch. Beunruhigt von Anwohnern, rückte die Polizei zur Kustošijanska-Straße an, um die öffentliche Ordnung wiederherzustellen, doch die Fans waren bereits verschwunden.
Der vorbeikommende Sportfotograf Nikola Šolić machte mehrere Fotos von der Gruppe, weil sie ein Lied skandierten. Nachdem er die Bilder jedoch in den sozialen Medien veröffentlicht hatte, wurde ihm durch die Reaktionen der Öffentlichkeit die Aussage auf dem Banner bewusst.
Nach den Reaktionen der Öffentlichkeit und dank der Bilder gelang es der Polizei, vier Mitglieder der BBB-Gruppe zu identifizieren und festzunehmen.
Zahlreiche kroatische Politiker reagierten auf das Banner. Die ehemalige Premierministerin Jadranka Kosor erklärte in den sozialen Netzwerken: „In einem Land, das die EU-Ratspräsidentschaft innehat, bedrohen Anhänger auf abscheuliche Weise Kinder und Frauen einer nationalen Minderheit mit einem faschistischen Gruß, der laut einigen Beamten ‚doppeldeutig‘ sei und nur in Ausnahmefällen verwendet werden dürfe. Schändlich. Einfach nur abscheulich.“
Der damalige Premierminister Andrej Plenković verurteilte die Veranstaltung ebenfalls, versuchte dabei aber, den hasserfüllten Inhalt zu ignorieren: „Ich verurteile so etwas aufs Schärfste. Ich habe nicht gesehen, worum es ging, aber so etwas hat im öffentlichen Raum nichts zu suchen. Es ist inakzeptabel, daran gibt es keinen Zweifel“, sagte er.
*Kroatische Verteidigungskräfte (HOS) – paramilitärische Struktur der 1990er Jahre
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Foto: Nikola Šolić @ index.hr